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Tesla: Model Y wird zum meistverkauften Auto der Welt

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Noch liegen die vollständigen Zahlen nicht vor, aber die Schätzung lässt aufhorchen: Das Model Y von Tesla dürfte im ersten Quartal des Jahres 2023 das weltweit meistverkaufte Auto gewesen sein, so schreibt es der Analyst Felipe Munoz vom Daten-Dienst Jato Dynamics. Den Absatz des Tesla-SUV schätzt er für diesen Zeitraum auf weltweit 267.200 Fahrzeuge, wobei ihm die genauen Zahlen für 53 Länder vorliegen.

Damit würde das Modell den bisherigen Marktführer Toyota Corolla in den Schatten stellen, dessen Absatz Munoz auf 256.400 Einheiten schätzt. Auch in der Datenbank des Konkurrenten Marklines liegt das Model Y deutlich vor dem Corolla.

Tesla hat damit zum ersten Mal den Weltmarktführer Toyota überholt – wenn auch nur mit den Verkaufszahlen einer einzelnen Baureihe. Die Hersteller selbst veröffentlichen keine Zahlen für einzelne Modelle. „Dies ist seit vielen Jahren eine der größten Neuigkeiten in der Branche. Erstmals steht ein reines Elektroauto an der Spitze des weltweiten Verkaufsrankings“, schreibt Munoz auf „Motor 1“.

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Trotz aller Kritik an Tesla, etwa Kundenbeschwerden über Sicherheitsmängel bei Fahrassistenzsystem über die das „Handelsblatt“ berichtet, scheint das Wachstum zu einem Massenhersteller unaufhaltsam. Dabei ist Teslas Aufstieg nur eine von mehreren großen Umwälzungen, die den Automobilmarkt derzeit radikal verändert.

Eine zweite ist der Auftritt chinesischer Hersteller auf dem globalen Markt. Sie haben im ersten Quartal des laufenden Jahres die Konkurrenten aus Japan bei den Exportzahlen erstmals überholt. China ist damit Export-Weltmeister bei Autos, zumindest auf Sicht von drei Monaten: 1,07 Millionen Fahrzeuge verkaufte die Volksrepublik von Januar bis März ins Ausland, Japan kam auf rund 954.200, Deutschland auf 839.100 exportierte Autos.

Die Chinesen profitieren unter anderem von den westlichen Sanktionen gegen Russland, dort sind ihre Produkte derzeit praktisch die einzigen in größerer Stückzahl verfügbaren Fahrzeuge. In den China-Exporten sind allerdings auch Fahrzeuge von Tesla enthalten, denn die Fabrik des US-Unternehmens in Shanghai ist derzeit das größte seiner Werke.

Sie produziert auch für den Export. Europäische Hersteller nutzen China dagegen nur selten als „verlängerte Werkbank“, lediglich der BMW iX3 und der Dacia Spring (Renault-Konzern) werden dort gebaut und nach Europa verschifft.

Dass zunehmend chinesische Marken auf dem Kontinent ankommen, lässt sich hier in den Zulassungszahlen ablesen. So wurden beispielsweise laut Kraftfahrt-Bundesamt von Jahresbeginn bis zum April in Deutschland rund 5000 neue Pkw der Marke MG Roewe zugelassen, 1300 Lynk & Co (Geely-Gruppe) und knapp 280 Wagen von Great Wall Motor.

Das Model Y von Tesla führt auch in der Bundesrepublik mit 17.500 Neuzulassungen bis April vor dem Toyota Corolla mit 3900. Im Ranking der meistverkauften Modelle steht hierzulande aber wieder der Golf von Volkswagen auf Platz eins, mit mehr als 25.000 Verkäufen seit Jahresbeginn.

Außerhalb Europas spielt der Golf allerdings keine Rolle. Anders als Toyota hat Volkswagen keine Modelle im Angebot, die sich weltweit in Riesen-Stückzahlen verkaufen.

Im vergangenen Jahr führten die Japaner die globale Verkaufsrangliste einzelner Baureihen mit dem SUV RAV4 an, der sich mehr als eine Million Mal verkaufte, es folgte der Corolla mit knapp unter einer Million Verkäufen. Volkswagens meistverkaufter Wagen war laut Daten von Munoz der nur in China erhältliche Lavida mit rund 360.000 abgesetzten Fahrzeugen.

Die Strategie der europäischen Autohersteller ist es seit Jahren, möglichst viele Zielgruppen mit jeweils auf sie zugeschnittenen Angeboten zu erreichen. Elon Musk geht mit Tesla den umgekehrten Weg. Das Unternehmen bietet nur vier Modelle an, davon zwei als Massenprodukt.

„Tesla verkauft Tesla heute 95 Prozent seiner Neuwagen mit nur zwei Karosserievarianten und überschaubaren Zusatzausstattungen. In den letzten zwölf Monaten waren dies 1,43 Millionen Tesla 3 und Y Modelle“, schreibt Ferdinand Dudenhöffer vom privaten Center Automotive Research in einer Analyse, die WELT vorliegt.

„Fokus bei Elon Musk ist nicht Qualität, sondern rigorose Kosteneffizienz“

„Den hohen Output mit so wenigen Modellen und Varianten hat noch nicht einmal Henry Ford mit seinem Model T, der Lizzy, geschafft.“ So wie Ford die Produktionswelt mit wenigen Modellen und dem Fließband-Einsatz revolutioniert hat, schaffe das auch Tesla mit seiner Varianten-Armut und seiner unkonventionellen „Cost Reductions From Everywhere“-Philosophie.

„Das Toyota-Produktionssystem galt lange als Benchmark und Blaupause für fast alle Neuerungen und Effizienz-Verbesserung in der automobilen Produktionswelt. Der Fokus bei Elon Musk ist nicht Qualität, sondern rigorose Kosteneffizienz“, meint Dudenhöffer.

Im Wettbewerb auf dem globalen Markt dürfte das ein Vorteil sein. Sowohl Tesla als auch die chinesischen Konkurrenten wie BYD können ihre Wagen deutlich billiger anbieten als die deutschen Hersteller. Eine Umkehrung der Verhältnisse ist daher nicht zu erwarten.

Die Pkw-Produktion in Deutschland ist in den vergangenen Jahren bereits deutlich geschrumpft, während sie in China wächst. Dahinter steht der Wille der Führung in Peking, eine eigene Autoindustrie aufzubauen – und die starke Nachfrage aus dem Inland.

Schon heute ist der chinesische Automobilmarkt nach Verkaufszahlen mehr als doppelt so groß wie der europäische. Der Abstand wird in diesem und den kommenden Jahren weiter deutlich wachsen.

Im vergangenen Jahr hatte die Volksrepublik bereits Deutschland vom zweiten Platz der größten Auto-Exporteure verdrängt. Laut chinesischer Zollbehörde wurden 2022 rund 3,2 Millionen Autos aus dem Land exportiert, die Bundesrepublik kam im selben Zeitraum nur auf 2,6 Millionen Exportfahrzeuge.

Nun setzt sich dieser Trend fort. Stützen könnte die deutschen Exporte ironischerweise Tesla, mit seinem Werk in Grünheide bei Berlin. Derzeit hat die Fabrik eine Kapazität von 350.000 Fahrzeugen pro Jahr, Tesla plant aber einen weiteren Ausbau. Wenn der kommt, wäre auch mehr Export von Model Y aus Deutschland denkbar.

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