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Revolution oder Verbannung: So sollen Taxis jetzt grün werden

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Revolution in einer erzkonservativen Branche: Der Uber-Betreiber Thomas Mohnke startet gemeinsam mit anderen Taxi- und Mietwagenfirmen den Aufbruch in ein neues Zeitalter. Bundesweit wollen die Unternehmen rund 3000 Fahrzeuge auf einen CO₂-neutralen Antrieb umstellen. „Wir sind bereit, in Vorleistung zu gehen, und hoffen, dass wir damit Überzeugungsarbeit in der Branche leisten können“, sagt der Berliner Unternehmer. „Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik.“

Mohnke organisiert als Generalunternehmer den Dienst von Uber in Deutschland. Neben den Fahrern seines Unternehmens Safedriver sind unter seiner Regie noch Tausende Mitarbeiter anderer Mietwagenfirmen für den kalifornischen Mobilitätsanbieter unterwegs. Für den eigenen Betrieb hat Mohnke gerade 200 Wasserstofffahrzeuge bestellt, 70 davon sind bereits unterwegs. Der Vorteil der Wagen sei die schnelle Betankung, erzählt er.

Wobei auch Elektroautos mit Batterie für einen Zwei-Schicht-Betrieb geeignet seien – sofern sie an Schnellladesäulen aufgeladen werden können. Bis auf ein paar S-Klassen von Mercedes-Benz bestehe sein Fuhrpark von rund 500 Fahrzeugen bereits ausschließlich aus Elektroautos, sagt Mohnke.

In Berlin lädt er sie an Säulen auf dem eigenen Firmengelände am Anhalter Bahnhof. Seine Firma Safedriver ist damit eine Ausnahme in der Branche. Gerade die Taxiflotte in Deutschland ist noch überwiegend mit Benzin- und Dieselmotoren unterwegs.

Wie kaum ein Zweiter kennt sich Mohnke aus in dem Geschäft. Der 65-Jährige aus Berlin hat als Student im Alter von 20 Jahren sein erstes Taxi gekauft. In den 90er-Jahren baute er einen der größten Berliner Taxidienste auf. Er war Betreiber des Fahrdienstes des Bundestags und ist mit seinen Limousinen für fast alle Bundesministerien unterwegs.

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Die Zusammenarbeit mit Uber hat Mohnke viel Ärger eingebracht; Politik und Taxilobby kämpfen seit Langem mit harten Bandagen gegen eine Liberalisierung der Personenbeförderung in Deutschland. Trotzdem will der Unternehmer seine Branche zur nächsten Modernisierung drängen.

Taxis und Mietwagen sollen so schnell wie möglich wegkommen vom Verbrennungsmotor, also elektrisch werden. Es geht um fast 100.000 Pkw im Land, die vor allem in den Städten pro Jahr Millionen von Kilometern zurücklegen und dabei jede Menge CO2 in die Luft blasen. Und es geht um eine völlig zersplitterte Branche mit mehr als 32.000 einzelnen Unternehmern, wie Zahlen des Bundesverkehrsministeriums zeigen.

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Um ihren Konkurrenten den Umstieg leichter zu machen, wollen die Unternehmer hinter der Initiative „Grüne Mobilität? Ja, bitte“ Strom verschenken. Vier Schnellladesäulen betreibt Safedriver zentral in der Nähe des Potsdamer Platzes. „Wir versprechen jedem Taxifahrer, der auf Elektromobilität umstellt, dass er dort ein Jahr gratis laden darf“, sagt Mohnke.

Der Antrieb für die Unternehmer hinter der Kampagne ist nicht nur Klima- und Umweltschutz, es geht ihnen auch darum, das eigene Geschäft zu sichern. Denn die Zeit des Diesel-Taxis in der Innenstadt neigt sich schneller ihrem Ende entgegen, als das viele in der Branche bisher dachten.

Zukunft der Verbrenner in Metropolen ungewiss

Gerade hat der Stadtrat von München ein Einfahrverbot für Diesel-Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5 und älter ab 1. Oktober 2023 in der Innenstadt und dem Mittleren Ring beschlossen. Zwar gibt es für Taxis noch eine Übergangsregelung, aber ab April 2024 ist auch für sie Schluss. Dass Metropolen irgendwann Verbrennungsmotoren komplett aus der Innenstadt verbannen, wird bereits diskutiert. Spätestens dann werden Taxi- und Mietwagenanbieter keine Alternative mehr zur Umstellung ihrer Flotten haben.

Besser also, sie bereiten sich schon vorher darauf vor – und nutzen die Unterstützung vonseiten der Politik. Die allerdings, beklagen die Unternehmer der Initiative, geht eher zurück. So hat die Ampel-Koalition zwar die Subventionen für Elektroautos verlängert. Die Zahlungen an kommerzielle Flottenbetreiber sollen aber am 1. September 2023 enden. „Wir brauchen die Unterstützung durch den Umweltbonus weiterhin“, fordert Mohnke und rechnet vor, dass 100.000 neue Elektroautos etwa vier Milliarden Euro kosten werden.

Taxibranche „erstarrt und innovationsfeindlich“

Er schlägt zudem noch ein paar Maßnahmen vor, die E-Autos in der Flotte bevorzugen, den Staat aber kein Geld kosten. Einen dieser Schritte haben die Flughäfen München und Hamburg bereits umgesetzt: In der Taxischlange gibt es dort jeweils einen beziehungsweise zwei Plätze ganz vorn, auf die nur Elektrotaxis fahren dürfen. Sie können dann auf dem Warteplatz an allen anderen Wagen vorbeifahren und schneller Fahrgäste aufnehmen.

In München sorgte das im vergangenen Sommer für Ärger unter den Taxlern, die sich benachteiligt fühlten. Der Protest bestätigt Mohnkes Urteile über die eigene Taxibranche: Er hält sie für erstarrt und innovationsfeindlich. In den 90ern verkaufte er sein Taxiunternehmen in Berlin, das zeitweise 660 Wagen hatte, weil er es nicht ertragen konnte, so sagt er, dass sich die Fahrer damals gegen Funk im Wagen gewehrt hatten – und an den Sprechsäulen festhalten wollten.

Heute halten er und seine Mitstreiter die Voraussetzungen für besser, denn rund ein Sechstel der Unternehmen fährt inzwischen sowohl Taxi als auch für Uber und ähnliche Anbieter – offiziell Mietwagen mit Fahrer. Für diese Anbieter will die Initiative auch Erleichterungen erreichen und argumentiert nun mit Umweltgründen.

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So sollen Elektro-Mietwagen mit Fahrgästen wie Taxis die Busspuren mitbenutzen dürfen, und auch das alte Streitthema Rückkehrpflicht will Mohnke im Rahmen seiner E-Offensive noch einmal diskutieren. Bisher sind Mietwagen-Fahrer wie die von Uber verpflichtet, nach einer Tour zum Betriebsgelände zurückzukehren. „Allein dadurch werden in Deutschland pro Tag eine Million Kilometer unnötig zurückgelegt“, schimpft Mohnke. Zumindest für die E-Autos sollte die Regelung aufgehoben werden, fordert er.

Ob er damit bei Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) auf offene Ohren stößt, ist fraglich. Zwar heißt es im Koalitionsvertrag sehr allgemein, man werde „digitale Mobilitätsdienste, innovative Mobilitätslösungen und Carsharing … unterstützen“. Über eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes hat Wissing als Minister bisher aber noch nicht gesprochen.

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