Neueste Nachrichten und Updates

Ukraine geht „nächsten Schritt“: „Shahed Catcher“ gegen iranische Kamikaze-Drohnen

0 23

Die Ukraine rüstet im Drohnenkrieg auf. Unter anderem soll ein System namens „Shahed Catcher“ iranische Kamikaze-Drohnen abfangen, indem es sie „blendet“. Der nächste Schritt seien „Drohnen, die Drohnen abfangen“, sagt Digitalminister Fedorow. Und alle Ukrainer können sich per App an der Abwehr beteiligen.

Die iranischen Kamikaze-Drohnen sind für die Ukraine aktuell eine der größten Herausforderungen im Krieg gegen die russischen Invasoren. Grundsätzlich können die unbemannten Deltaflügler zwar recht einfach abgeschossen werden, aber da sie in Schwärmen und tieffliegend angreifen, überwinden genügend von ihnen die Luftabwehr, um vor allem an kritischer Infrastruktur großen Schaden anzurichten. Außerdem ist ihre Bekämpfung mit Boden-Luft-Raketen oder Kampfjets enorm teuer. Die ukrainische Regierung plant daher den Einsatz viel günstigerer Systeme und will Drohnen künftig mit Drohnen bekämpfen.

Drohnen werden immer wichtiger

Schon jetzt setzen in dem Krieg beide Seiten sehr viele UAVs (Unmanned Aereal Vehicles/unbemannte Luftfahrzeuge) ein und ihre Bedeutung wird immer größer. Der nächste technologische Schritt sei der Drohnenkrieg, sagte der ukrainische Minister für digitale Transformation, Mychajlo Fedorow, der ukrainischen Ausgabe von „Forbes“.

„Derjenige, der jetzt in Bezug auf das Management und die Produktion von Kampfdrohnen im industriellen Maßstab skalieren kann, wird gewinnen“, prophezeit Fedorow. „Dabei geht es sowohl um die Erwartung, Mittel von der Regierung oder von Freiwilligen zu erhalten, als auch um Management und Kompetenzen. In den nächsten vier bis fünf Monaten werden wir uns genau mit diesen Themen beschäftigen.“

Kiew hat in jüngster Zeit bereits 1033 Drohnen für umgerechnet etwa 54 Millionen Euro bei verschiedenen Herstellern geordert. 70 Prozent davon seien bisher ausgeliefert worden, so Fedorow. Wichtig sind für die Armee unter anderem „Fliegende Augen“. Das sind Drohnen, die verwendet werden, um für moderne weitreichende Artillerie Ziele ausfindig zu machen und das Feuer zu korrigieren, beispielsweise von HIMARS-Raketenwerfern. Bis zum Jahresende sollen 20 Puma- und Pinguin-Systeme geliefert werden, die auch die NATO einsetzt.

Komponenten-Mangel bremst Ukraine aus

Die Ukraine will außerdem vermehrt eigene Drohnen produzieren. Erst kürzlich hat die Armee die Shark (Hai) vorgestellt. Laut „Gazeta.ua“ dient sie ebenfalls vorwiegend dazu, westliche Langstreckenwaffen zu unterstützen. Allerdings ist es für ukrainische Hersteller nicht immer leicht, die dazu nötigen Komponenten in größeren Mengen zu beschaffen. Es sei zwar kein massives Problem, sagt Mykhailo Fedorow. Aber bei bestimmten Komponenten könne es schwierig sein, Chargen zu bekommen, um mehr als 100 Drohnen pro Monat zu produzieren.

Shark.jpg

Um einen „Produktions-Boom“ von ukrainischen Drohnen zu erreichen, möchte die Regierung bürokratische Hürden abbauen und finanzielle Mittel großzügig zur Verfügung stellen. „Ich denke, der nächste ‚Engpass‘ wird der Kampf um Ideen, Menschen, Produkte sein“, vermutet Fedorow. „Aber so sollte es in einer sich schnell entwickelnden Branche sein.“

Zu viele Kamikaze-Drohnen in der Luft

Keine Zeit mehr darf die Ukraine bei der Bekämpfung der Shahed-136 und anderer Kamikaze-Drohnen verlieren, denn es sind bereits große Teile der Infrastruktur zerstört und der Winter steht vor der Tür. Präsident Selenskyj zufolge soll Moskau im Iran insgesamt 2.400 Shahed-136 geordert haben, eine russische Massenproduktion ist nicht ausgeschlossen.

Zwar sagte Luftwaffen-Sprecher Yuriy Ignat vergangenen Freitag, man habe bereits 300 der Kamikaze-Drohnen vom Himmel geholt, doch zu viele von ihnen treffen noch ihr Ziel. Am Montag kamen beispielsweise sechs von 50 Shahed-136 durch. Als Folge hatten laut Bürgermeister Vitali Klitschko zeitweise 80 Prozent der Einwohner von Kiew kein Wasser, 350.000 Wohnungen keinen Strom.

Teure Luftabwehrsysteme langfristig keine Option

Luftabwehrsysteme wie das kürzlich von Deutschland gelieferte IRIS-T SL sind bestenfalls kurzfristig eine Lösung, auch wenn Ignat am Montag dessen hundertprozentige Trefferquote feierte. Denn die IRIS-Raketen sollen pro Stück mehr als 400.000 Euro kosten, weshalb deren Einsatz und der ähnlicher Systeme der Abwehr von Marschflugkörpern et cetera vorbehalten bleiben muss, um bezahlbar zu bleiben.

Der Preis für eine Shahed-136 wird auf 20.000 bis 50.000 Euro geschätzt. Offiziellen Angaben nach hat die Ukraine im September 161 Shahed-136, eine größere Shahed-129 und vier noch größere Mohajer-6-Drohnen abgeschossen. Laut „Guardian“ schätzen Militäranalysten die dadurch entstandenen Gesamtkosten für Russland gerade mal auf 11,7 bis 18 Millionen Euro.

Die Ukraine setzte für die Abwehr unter anderem Kampfjets und Flugabwehr-Raketensysteme ein. Zwischen dem 13. September und dem 17. Oktober sollen die Kosten dafür mehr als 28 Millionen Euro betragen haben.

Crowdfunding für „Shahed Catcher“

Wesentlich preiswerter soll der sogenannte „Shahed Catcher“ („Shahed-Fänger“) sein. Eine Initiative hat dafür über den Verkauf von Armbändern, die aus dem letzten von Asow-Stahl in Mariupol produzierten Stahl hergestellt wurden, Geld gesammelt. Anvisiert waren umgerechnet rund 2,25 Millionen Euro, für das zwei Systeme angeschafft werden sollten. Laut Digitalminister Fedorow kam in kurzer Zeit das Doppelte zusammen.

Was genau der „Shahed Catcher“ ist, hat die ukrainische Führung bisher nicht offenbart. Oleg Horochowski, Mitbegründer der an der Initiative beteiligten „Smartphone-Bank“ Monobank, erklärte beim Spendenaufruf auf Telegram immerhin, dass es sich um Systeme handele, die bei NATO-Staaten im Einsatz seien.

Ähnlichkeit mit „Sky Wiper“

Laut „Euromaidan Press“ verriet er später auch etwas über die Funktionsweise. Demnach „blenden“ solche Systeme die Drohnen, worauf diese versuchen, eine sichere Höhe zu erreichen. Dort könnten sie dann von Luftverteidigungssystemen abgeschossen werden. Im Prinzip könnte es sich damit um eine ähnliche Waffe wie den „Sky Wiper“ handeln, ein Störsender-Gewehr, mit dem die Ukraine herkömmliche Copter-Drohnen vom Himmel holt.

Digitalminister Fedorow spricht in seinem Interview mit „Forbes“ in diesem Zusammenhang auch von „Drohnen, die Drohnen jagen.“ Ob es sich dabei schon um „Shahed Catcher“ oder um Zukunftsmusik handelt, ist nicht klar.

Bayraktar TB2 soll Drohnenjäger werden

Eventuell hat er auch auf eine Weiterentwicklung der Kampfdrohnen Bayraktar TB2 und Akıncıs des türkischen Herstellers Baykar angespielt. Firmengründer Haluk Bayraktar sagte laut „Daily Sabah“ in einem dpa-Interview, die beiden Drohnen könnten schon bald mit Luft-Luft-Raketen ausgerüstet werden, mit denen sie auch in der Lage seien, feindliche Drohnen und Flugzeuge anzugreifen. Seine Firma führe bereits Tests durch.

Egal welche Waffe die Ukraine gegen die Kamikaze-Drohnen einsetzt, seit Kurzem können alle Ukrainer per App helfen, dass sie trifft. Dem ukrainischen Verteidigungsministerium zufolge gibt es ePPO (eLuftabwehr) vorerst aber nur für Android-Smartphones.

Nutzer, die ein Luftziel sehen, zum Beispiel einen Marschflugkörper oder eine Kamikaze-Drohne, öffnen die App, wählen die Art des Angreifers aus, richten ihr Smartphone darauf aus und tippen auf einen roten Knopf. Die Luftabwehr sieht dann eine Markierung auf einer Karte, gleicht sie mit Radarinformationen ab und gibt das Flugobjekt zum Abschuss frei.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.
Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Erlebnis zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich abmelden, wenn Sie dies wünschen. Annehmen Weiterlesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinie