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Warum der DFB vor Gericht eine Chance hat

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Nach dem Streit um das Fifa-Verbot der „One Love“-Kapitänsbinde erwägt der DFB den Gang vor das höchste Sportgericht. Ein Sportrechtler sagt, es gibt Grund zur Hoffnung.

Er ist Fachanwalt für Sportrecht und kennt sich mit den internationalen Regelungen der größten Sportverbände aus. Dr. Paul Lambertz schaut mit Interesse auf das, was gerade in Katar passiert, denn es zeigt, wie viel Macht Verbände wie die Fifa haben.

Im Streit um die „One Love“-Kapitänsbinde, die einige europäische Mannschaften als Zeichen für Toleranz und Vielfalt bei der WM in Katar tragen wollten, ist er der Meinung, dass der DFB zu spät Fakten geschaffen hat. Doch er sieht auch Chancen für eine erfolgreiche Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. t-online hat mit ihm gesprochen.

t-online: Herr Lambertz, erst einmal: Für wie sinnvoll halten Sie es, dass der DFB rechtliche Schritte prüft?

Dr. Paul Lambertz: Meines Erachtens gibt es in solchen Situationen immer zwei mögliche Handlungsalternativen: Die eine ist, man will ein Zeichen setzen, weiß zwar, dass man vielleicht vor Gericht verliert, klagt aber trotzdem. Die andere ist, man geht nur dann gegen irgendetwas vor, wenn man sich zu 100 Prozent sicher ist, dass man auch gewinnt. Sinnvoll kann beides sein und hängt von vielen Faktoren ab.

Sportrechtler Dr. Paul Lambertz (Quelle: Jessica Sturmberg)

Kann denn die Fifa überhaupt solche Vorgaben machen und etwa bestimmen, wie die Kapitänsbinde auszusehen hat?

Der Sport wird von vielen Regeln beherrscht. Diese werden im Falle der Fußballweltmeisterschaft von der Fifa vorgegeben, deren Mitglieder die jeweiligen Fußballverbände wie etwa der DFB sind. Teil dieser Regeln sind auch die Kleidervorschriften. Dort ist bis auf das Kleinste geregelt, wo was zu stehen hat und auch, in welcher Größe es sein muss. Das umfasst auch das Aussehen der Kapitänsbinde. Ich sehe diese Regelungshoheit vom Recht eines Verbandes, sich eigene Regeln zu geben, gedeckt. Meines Erachtens kann die Fifa damit das Tragen bestimmter Binden verbieten.

Aber hier geht es ja um ein politisches Statement, das eigentlich im Sinne der Fifa sein sollte, oder? Warum meinen Sie, verbietet die Fifa dieses Symbol?

Die genauen Beweggründe kennen wohl nur die beteiligten Fifa-Funktionäre. Ich finde aber, dass man zuerst die Frage beantworten sollte, ob die „One Love“-Binde tatsächlich eine politische Äußerung ist oder nicht. Für mich ist die Antwort eindeutig, für die Fifa, meiner Wahrnehmung nach, wohl eher nicht. Dahinter steckt aber meines Erachtens etwas Grundsätzliches: Politische Statements und Sport sind, zumindest wenn die Aussagen von Athleten oder Mitgliedern kommen, für die meisten Verbände bis jetzt immer ein rotes Tuch gewesen. Verbände wie das IOC oder die Fifa etwa fahren deshalb seit Jahren eine „Null-Toleranz-Strategie“.

Ist das aus Ihrer Sicht rechtmäßig?

Meines Erachtens ja. Ob es aber tatsächlich ethisch-moralisch haltbar ist, mag man mit guten Argumenten bezweifeln. Sollen aber diese Regeln geändert werden, muss ein Prozess innerhalb der Organisationen stattfinden. Dass gesellschaftlicher Druck diese Regeln ändert, dafür fehlt mir der Optimismus. Derzeit bleibt den Mitgliedern wie dem DFB wohl nur die Möglichkeit, sich durch andere Aktionen für die Werte, die hinter der „One Love“-Binde stehen, einzusetzen. Reformvorschläge in die Fifa einbringen, sich in deren Gremien engagieren, Benefizspiele veranstalten und so weiter. Ich bin mir sicher, der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Wie sie es jetzt mit der Hand vor dem Mund beim Mannschaftsfoto auch gemacht haben?

In der Tat. Hier haben die Spieler ein Zeichen gesetzt. Ich frage mich allerdings, warum nicht auch die Funktionäre bereit waren, ihrerseits ein Zeichen zu setzen. Der DFB-Präsident oder der Sportdirektor mit einer „One Love“-Armbinde hätten wahrscheinlich für viel Aufsehen gesorgt.

Wie aussichtsreich ist also eine möglich Klage vor dem CAS?

Wäre die Binde nicht bereits bei anderen von der Fifa legitimierten Spielen eingesetzt worden, würde ich die Aussichten der Klage als eher aussichtslos erachten. Nun bietet sich aber eine Argumentationslinie an.

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.
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