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Komplizierte Wechsel-Geschichte: Als niemand Nationalkeeper Manuel Neuer wollte

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Saison 2010/11: Es ist die letzte Spielzeit von Manuel Neuer beim FC Schalke 04. Und während die Schalker den Nationalkeeper aus ihrem Kreis verstoßen, stellen die Bayern-Anhänger einen kuriosen Verhaltenskodex für Neuer auf. Meister wird Dortmund mit einem glücklichen Torhüter Weidenfeller: „We have a grandios Saison gespielt!“

„Ich habe früher in der Kurve gestanden und nicht gerade nette Dinge über die anderen Vereine geschrien. Wie soll ich da denn das Trikot dieser Klubs tragen?“ Vermutlich war es eine „Jugendsünde“, die der heutige Nationalkeeper Manuel Neuer da im offiziellen Jahrbuch des FC Schalke 04 zur Spielzeit 2007/08 verkündete, doch nun, als am Ende der Saison 2010/11 sein Wechsel zum Rekordmeister anstand, hing ihm noch ein anderer Satz aus diesem Magazin nach: „Manuel Neuer beim FC Bayern München – das passt nicht!“ Plötzlich stand der Torwart der deutschen Nationalmannschaft zwischen allen Fronten. Eine tragische Situation, die viel mit nibelungentreuer Vereinsliebe und gebrochenen Herzen zu tun hatte.

„Manuels Entscheidung hat bei zu vielen von uns zu viel zerstört. Er hat uns schmerzlich bewiesen, dass wir unseren Glauben nicht zu sehr an Spieler verschenken sollten. Betrachten wir Spieler als das, was sie fast alle sind, Berufssportler, die zeitlich begrenzt das königsblaue Trikot tragen dürfen“, schrieben die Ultras GE in einem offenen Brief zum Wechsel ihres ehemaligen Mitglieds Manuel Neuer zum FC Bayern. Nun hatte man allerdings in München das Problem mit den eigenen Fans – und der Rekordmeister war um den häuslichen Frieden sehr bemüht.

„Nie das Bayern-Wappen küssen“

Denn dort hatten einige Gruppierungen den Nationaltorhüter mit dem Plakat – „Du kannst auch noch so viele Bälle parieren, wir werden dich nie in unserem Trikot akzeptieren“ – bereits wenig herzlich empfangen. Nun einigte man sich darauf, zur kommenden Spielzeit die organisierten Proteste einzustellen, wenn Neuer neben „respektvoller Distanz“ auch fünf Verhaltensregeln respektieren würde. Und Manuel Neuer tat dies. Konkret sollte das bedeuten: 1. Nie mit dem Megafon die Fangesänge vorgeben, 2. Sich nie vor die Mannschaft knien, um das „Humba“-Lied zu intonieren, 3. Sich nicht der Südkurve nähern, 4. Nie sein Trikot in die Kurve werfen, 5. Nie das Bayern-Wappen auf dem Trikot küssen.

Doch zuvor liefen erst einmal – noch mit Manuel Neuer – dem S04-Coach Felix Magath die Geschäfte auf Schalke in der Spielzeit 2010/11 schnell aus dem Ruder. Das Ansehen und das Vertrauen in den zuvor so mächtigen Herrscher litten unter dem Misserfolg seiner Mannschaft. Kurzzeitig geriet Königsblau sogar in echte Abstiegsgefahr. Zu viel für die Schalker Führung. Mitte März trennte man sich. In letzter Minute konnte eine Schlammschlacht zwischen den im Streit auseinandergehenden Parteien verhindert werden.

Vor allem auch deshalb, weil Magath nur zwei Tage nach seinem Rauswurf auf Schalke wieder bei seinem alten Arbeitgeber, dem VfL Wolfsburg, anfing. Dort erlaubte sich ein Tontechniker beim Mikrofoncheck auf der ersten Pressekonferenz mit Neu-Trainer Magath einen Scherz, als er vor versammelter Medienschar in die akustischen Verstärker haucht: „Eins, zwo, drei, eins, zwo, drei, Medizinball!“

„Ich will den Boss sprechen“

Auch in Hamburg gab es Stress. Weltstar Ruud van Nistelrooy wollte im Januar unbedingt den HSV verlassen und zu Real Madrid wechseln. Doch die Führung verbot dem Niederländer diesen Transfer. Als van Nistelrooy sich daraufhin beim Vorstandschef Bernd Hoffmann persönlich beschweren wollte, musste ihn die Empfangsdame leider zurückweisen. Ihr Chef sei nicht da, sagte sie, aber er könne natürlich gerne mit dem neuen Sportdirektor, dem ehemaligen Mannschaftskollegen von van Nistelrooy, Bastian Reinhardt, reden. Der Niederländer reagierte sauer und eindeutig: „Ich will nicht ›Pipo de Clown‹. Ich will den Boss sprechen!“

Ben Redelings ist ein leidenschaftlicher „Chronist des Fußballwahnsinns“ und Anhänger des ruhmreichen VfL Bochum. Der Bestseller-Autor und Komödiant lebt im Ruhrgebiet und pflegt sein legendäres Anekdoten-Schatzkästchen. Für ntv.de schreibt er montags und samstags die spannendsten und lustigsten Geschichten auf. Weitere Informationen zu Ben Redelings, seinen aktuellen Terminen und seinem aktuellen Buch („60 Jahre Bundesliga. Das Jubiläumsalbum“) gibt es auf seiner Seite www.scudetto.de.

In Frankfurt entließ die Eintracht ihren Trainer Michael Skibbe. In der Rückrunde lief nicht mehr viel zusammen. Dabei hatte Eintracht-Geschäftsführer Heribert Bruchhagen in der Winterpause noch getönt: „Wir sind Siebter, und es wäre dumm, wenn wir nicht versuchen würden, Fünfter zu werden. Absteigen können wir nicht mehr. Wir müssen die Gunst der Stunde nutzen.“ Eine glatte Fehleinschätzung der Lage. Aber auch Coach Skibbe gab im Abwärtsstrudel keine besonders glückliche Figur ab. Nach Frankfurts 0:0 gegen Kaiserslautern sagte er: „Ich bin nicht ratlos. Ich bitte zu entschuldigen, wenn ich so wirken sollte.“

In seiner Not verpflichtete Heribert Bruchhagen entgegen dem Rat vieler Kollegen Christoph Daum. Besonders Uli Hoeneß war erstaunt und erschrocken über Bruchhagens Aktion: „Da muss irgendwie ein Pulver im Kaffee der Bundesliga gewesen sein, allgemein. Und er hat vielleicht auch etwas da drin gehabt.“ Bei den Fans wirkte die Verpflichtung Daums eher humoristisch: „Wenn der Daum seine Linie durchzieht, hat Frankfurt im Abstiegskampf die Nase vorn.“

„Gescheiter geworden, nicht gescheitert“

Medial profitierte die Eintracht jedoch von Daums Engagement. Bereits die erste Pressekonferenz geriet zu einem öffentlichen Großereignis. Über 50 Fotografen, zehn Kamerateams und zirka 100 Journalisten notierten die Sätze Daums wie diese: „Es geht jetzt 25 Stunden am Tag um die Eintracht“, „Die Familie steht jetzt erst einmal hinten an. Ich habe zu Hause Bilder von mir aufgestellt. Die kann meine Frau angucken, solange ich nicht da bin“ und „Der Kopf spielt im Fußball eine wichtige Rolle. Wenn er funktioniert, ist der Kopf wie ein drittes Bein“. Nach dem Abstieg sagte Christoph Daum noch einen interessanten letzten Satz: „Ich bin in der Zeit etwas gescheiter geworden, aber nicht gescheitert.“

Meister wurde Borussia Dortmund. Die Mannschaft spielte einen hervorragenden Fußball, mit einem sehr jungen Team (Klopp: „Bei unserem letzten Sieg in München wurden die meisten meiner Spieler noch gestillt“), und hielt sehr lange die Füße still: „Wir haben uns darauf verständigt, das M-Wort nicht zu benutzen. Aber wir wollen die Tabellenführung mit in die Sommerpause nehmen“ (BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel). Beim Titelgewinn sagte Trainer Jürgen Klopp: „Wenn du das Glück an dem Tag eingesammelt und es in die Welt rausgeschossen hättest, dann hätte noch ganz China gegrinst.“ Das Schlusswort gehörte jedoch einem anderen Dortmunder, Keeper Roman Weidenfeller: „We have a grandios Saison gespielt!“

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