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2400 Morde in acht Monaten: Guanajuato – Mexikos Epizentrum der Gewalt

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Guanajuato ist bekannt für seinen florierenden Tourismus und seine Autoindustrie. Doch der Drogenkrieg wirft einen Schatten auf den zentralmexikanischen Bundesstaat. In keiner Region des Landes werden derzeit mehr Menschen ermordet.

Der mexikanische Bundesstaat Guanajuato ist ein beliebtes Ziel für Urlauber. Sie flanieren durch die bunten Straßen der gleichnamigen Hauptstadt und bestaunen die koloniale Architektur in San Miguel de Allende. Doch abseits der Touristenpfade bietet Guanajuato ein ganz anderes Bild: Im Krieg der Drogenkartelle sterben Jahr für Jahr tausende Menschen.

Allein zwischen Januar und September wurden in Guanajuato mehr als 2400 Menschen ermordet, 3000 weitere verschwanden. Damit ist der Bundesstaat mit 6,1 Millionen Einwohnern in der Landesmitte der gewalttätigste in Mexiko.

53 Leichen in Massengrab

Auch der Bruder von Bibiana Mendoza wurde vermutlich Opfer der Gewalt, seit 2018 hat sie nichts mehr von ihm gehört. Die 32-Jährige gründete daraufhin das Frauenkollektiv „Hasta encontrarte“ (Bis wir dich finden), das nach verschwundenen Angehörigen fahndet. Als Anwohner in der Stadt Irapuato von einem Hund erzählten, der einen Arm im Maul trug, suchten die Frauen dort. Ihre Entdeckung Ende Oktober war grausam: ein geheimes Massengrab mit 53 in Säcken verpackten Leichen.

Insgesamt 300 Opfer des Krieges zwischen den Drogenbanden wurden in jüngster Zeit in dem Bundesstaat gefunden. Am 9. November wurden neun Menschen in einer Bar in Apaseo el Alto ermordet, eine Stunde Fahrt von Irapuato entfernt. Fotos in der Lokalpresse zeigten aufgestapelte Leichen in riesigen Blutlachen und die Botschaft eines Drogenkartells, das sich zu der Gewalttat bekannte.

Bei fünf ähnlichen Massakern in den vergangenen fünf Monaten wurden in Guanajuato etwa 50 Menschen getötet. Das ist selbst für die an Gewalt gewohnte Bevölkerung ein Schock. „Leichen mit Nachrichten daran auf den Straßen zu sehen, ist etwas Neues selbst für uns“, sagt Mendoza.

Revierkampf zwischen zwei Kartellen

Scheinbar unbeeindruckt von der Brutalität der Banden läuft nicht nur der Tourismus, sondern auch die Industrie in Guanajuato weiter. Die Autohersteller Toyota, Honda und General Motors haben Fabriken in der Region, Mazda sogar die größte außerhalb Japans. „Wir haben nicht gehört, dass Investitionen wegen der Unsicherheit zurückgezogen oder gekürzt worden wären“, sagt Héctor Rodríguez vom Arbeitgeberverband Coparmex.

Die Kriminalität in der Region ist die Folge des erbitterten Revierkampfes zwischen den Kartellen Jalisco Nueva Generación – dem mächtigsten Kartell Mexikos – und Santa Rosa de Lima. Guanajuato sei ein wichtiger Korridor für den Schmuggel von Kokain und dem synthetischen Opioid Fentanyl zwischen den Pazifik-Häfen und den Vereinigten Staaten, sagt der Sicherheitsexperte David Saucedo. Die Banden finanzierten ihren Krieg mit lokalen Drogenverkäufen und kämpften um die Kontrolle von Nachtlokalen.

Neun von zehn Morden in Guanajuato stünden im Zusammenhang mit dem Drogenhandel, sagt Sophia Huett von der Sicherheitsbehörde des Bundesstaates und verweist auf die Festnahmen in jüngster Zeit. Die Lokalregierung könne jedoch nicht viel ausrichten, solange die Bundesbehörden nicht gegen die kriminellen Strukturen vorgingen.

Bibiana Mendoza vom Frauenkollektiv hält das für eine Ausrede. „Ich hasse es, den Gouverneur sagen zu hören, dass er für ein sichereres Guanajuato sorgen wolle“, empört sie sich. „Und ich hasse es genauso, wenn der Präsident sagt, dass das, was passiert, nicht seine Schuld sei.“

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.
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