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Charles M. Schulz wäre 100: Der „Peanuts“-Schöpfer ließ Kinder an die Macht

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Charles M. Schulz kannte schon als Kind nur ein Ziel: einen eigenen Comic-Strip. Das hat der vor 100 Jahren geborene Zeichner geschafft. Auch lange nach seinem Tod leben die „Peanuts“ weiter, in denen sich Schulz selbst verewigte.

Gleich mehrere Menschen namens Charles Brown hat Charles M. Schulz in jungen Jahren kennengelernt. Von ihnen entlieh er sich den Namen für seine berühmteste Comic-Figur: Charlie Brown. Der Junge mit dem gelb-schwarzen Hemd sowie sein Hund Snoopy stehen im Mittelpunkt des wohl berühmtesten Comic-Strips, den „Peanuts“. Fast 50 Jahre lang zeichnete Schulz die Abenteuer von Charlie und seinen Freunden – „Peanuts“ war zur Entstehungszeit des Strips 1950 eine liebevolle Umschreibung für Kinder. Der letzte Strip erschien nur wenige Stunden nach dem Tod des Zeichners im Februar 2000.

Mehr als 20 Jahre sind seitdem vergangen, doch die „Peanuts“ sind präsent wie eh und je – auch nun, da ihr Schöpfer am 26. November 100 Jahre alt geworden wäre. Alte Strips werden nach wie vor in etlichen Zeitungen abgedruckt, Merchandise von T-Shirts über Kissen bis Tassen gibt es weiterhin zu kaufen. Sogar neue Filme und Zeichentrickserien entstehen, unter Mitwirkung der Witwe und Kinder des Zeichners.

Die „Peanuts“ haben nichts von ihrem Humor eingebüßt. Und nichts von ihrer Aktualität. Nahezu zeitlos erzählt die Strip-Serie vom Alltag einer Gruppe Kinder, von ihrer Freundschaft, ihrem Zusammenhalt, aber auch von Ängsten und Nöten. „Sparky ging es um Menschlichkeit, was es heißt, Freunde, Streit, Enttäuschung und Freude zu haben“, sagt dazu die Witwe des Zeichners, Jean Schulz, der Deutschen Presse-Agentur. Sie bewahrt das Andenken an ihren Mann, zu dem auch das Charles-M.-Schulz-Museum im kalifornischen Santa Rosa gehört.

Ein schüchternes und ängstliches Kind

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Doch Schulz‘ Erfolg kam nicht von ungefähr. Schon als Kind hatte er den Traum, einen eigenen Comic-Strip zeichnen zu dürfen, wie der Comic-Experte Andreas C. Knigge schreibt, im umfangreichen Hommage-Band „… Und Charles M. Schulz schuf die Peanuts“, der im Januar bei Carlsen erscheint und neben zahlreichen Strips auch einige Texte zum Werk enthält. In seinem ausführlichen biographischen Essay schildert Knigge den Werdegang von Schulz, der jahrelang hart für seinen Traum arbeitete und sich auch nicht von Weltwirtschaftskrise, Kriegsdienst oder den vielen Absagen von Verlagen unterkriegen ließ.

Man erfährt jedoch auch von seinen deutschen Wurzeln – der Vater wurde in Stendal geboren -, von der stetigen Unterstützung durch seine Eltern, die ihr knappes Geld in die Zeichner-Ausbildung des Sohnes steckten, und von den vielen Inspirationen, die sich später bei den „Peanuts“ wiederfinden, darunter nicht zuletzt die Namen der Hauptfiguren.

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Doch nicht nur Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen machten Schulz zu einem der erfolgreichsten Comic-Zeichner, dessen knapp 18.000 Strips in mehr als 2600 Zeitungen abgedruckt und von mehr als 355 Millionen Menschen in 75 Ländern gelesen wurden. Hinzu kam seine schüchterne Art, die allerdings auch immer wieder von Ängsten begleitet wurde. Schulz liebte es, allein im stillen Kämmerlein an seinem Zeichenbrett zu sitzen. Auch als sein Strip längst ein Welterfolg war, verlor er weder Neugierde noch Bodenhaftung – seit seiner Kindheit wurde er von Freunden einfach „Sparky“ genannt, nach einer Comic-Figur.

„Alles, was ich bin, fließt in den Strip“

Seine Charaktereigenschaften ließ der Zeichner auch in seine Protagonisten einfließen. „Wer den Strip über einige Wochen hinweg verfolgt, der kennt mich. Denn alles, was ich bin, fließt in den Strip ein, das bin ich“, sagte Schulz einmal. So spiegeln sich in Charlie Brown die Unsicherheit und Ernsthaftigkeit von Schulz‘ Kindheit, finden sich seine Liebe zum Zeichnen und zu phantastischen Welten in Snoopy wieder, der gerne ein weltberühmter Autor wäre, aber genauso als Fliegerass im Ersten Weltkrieg auftritt. Hinzu kommen Lucys Sarkasmus und Linus‘ Hang zu Philosophie und Religion – auch sie repräsentieren Eigenschaften ihres Schöpfers.

Den Strip zeichnet aber auch aus, dass er seine Figuren nicht zu kleinen Erwachsenen macht – diese spielen in diesem Universum kaum eine Rolle. Es ist eher andersrum: Die Freuden, Probleme und Ängste, die die Kinder haben, unterscheiden sich kaum von denen ihrer Eltern. Auch sie erleben Liebeskummer und Frust, stehen Abenteuer durch oder raffen sich nach Niederlagen wieder auf. Viele Leserinnen und Leser können sich darin wiederfinden, ebenso in der typisch amerikanischen Vorort-Siedlung, in der der Strip überwiegend spielt.

Welcher „Peanuts“-Fan würde nicht gern mal mit Charlie Brown Baseball spielen, dem Klavierspiel von Schroeder lauschen oder sich psychologischen Rat am Holzstand von Lucy holen. Gerade weil er auf seine eigene Kindheit, auf eigene Erlebnisse und Erfahrungen zurückgriff, hat Schulz Figuren geschaffen, in deren Liebenswürdigkeit und Schrulligkeit sich jeder wiederfinden kann. Er wolle einfach als jemand erinnert werden, der einen guten Comicstrip gezeichnet hat, sagte der Zeichner einmal. 100 Jahre nach seiner Geburt, gut 20 Jahre nach seinem Tod hat sich dieser Wunsch erfüllt.

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