Neueste Nachrichten und Updates

„Artists to watch“: Art Cologne – immer neu, immer schön

0 16

Die Keimzelle aller Kunstmessen geht zum 55. Mal in Köln an den Start. 190 Galerien sind ab morgen auf der Art Cologne dabei. ntv.de hat drei aufstrebende Kunstschaffende – Ambra Durante, Ivana de Vivanco und Faisal Habibi – vorab getroffen.

Hier in Köln wurde sie erfunden: die Kunstmesse. Der Kölner Galerist Rudolf Zwirner hat den Marktplatz für Kunst 1967 das erste Mal geöffnet. Kunst war damals etwas Exklusives, keine Ware und einem kleinen Kreis vorbehalten. Zwirner demokratisierte mit der Art Cologne die Kunst, machte sie allen zugänglich. Seine Idee war so revolutionär, dass sie in aller Welt kopiert wurde. Am 16. November startet die 55. Ausgabe international besetzt mit 190 Galerien. Es gibt jede Menge Spannendes zu entdecken. ntv.de stellt drei „artists to watch“ vor.

Ambra Durante

Ambra Durante ist wohl die jüngste Künstlerin, die auf dieser Kunstmesse vertreten ist. Ihr Berliner Galerist Klaus Gerrit Friese zeigt die gebürtige Italienerin bereits zum zweiten Mal auf seinem Stand. Entdeckt hat er Durante dank eines Gesprächs in der „Süddeutschen Zeitung“. Das hatte sie gemeinsam mit Bestsellerautor Daniel Kehlmann wegen ihrer Graphic Novel „Black Box Blues“ geführt. Darin verhandelt sie Verzweiflung, Angst und tiefe Melancholie und wie man diese bescheuerten Ungeheuer zähmen kann. Die 22-Jährige berührt mit ihren Bildern und Worten viele Menschen, denen es ähnlich geht.

Das teils autobiografische Buch war als persönliches Skizzenbuch gedacht. „Ich hatte es begonnen, weil ich den Drang hatte, zu verbildlichen, was mich bewegt“, erzählt sie. Wie kam das Buch in die Welt? „Meine Mutter hatte irgendwann gesehen, was ich da mache und sich um alles Weitere gekümmert. Ich dachte, es interessiert niemanden.“ Galerist Friese war von den Zeichnungen so begeistert, „dass er via Instagram Kontakt zu mir aufgenommen hat. In der Galerie haben wir uns kennengelernt und obwohl ich nur wenige Arbeiten dabeihatte, konnte ich ihn überzeugen.“ Seither arbeitet sie mit der Galerie zusammen. Der Bund hat ihre Arbeiten für die Sammlung zeitgenössischer Kunst angekauft, im Juli hat sie den Art-Karlsruhe-Preis gewonnen. Zudem ist „Black Box Blues“ jetzt am „Thalia Theater“ in Hamburg als Theaterstück zu sehen.

Ihre Gedankenströme werden zu Wimmelbildern, in denen durchaus Humor durchblitzt. Sie zeichnet auf Papierstücken, Fragmenten von Glas oder Textil und auf S-Bahnfahrscheinen. Die sammeln Freunde für sie. „Besonders gefällt mir dabei die Idee, dass die Leute an einen denken, wenn sie die BVG-Tickets aufheben. Das ist psychologisch und mental wichtig“, erzählt sie ntv.de. Indem sie zeichnet, findet sie Balance in Situationen, die für sie schwierig sind. Das kann auch mal in Bars oder auf Partys sein, es ist für sie dann einfacher. In ihren zarten Zeichnungen thematisiert sie auch Leistungsdruck, den sie momentan allerdings nicht verspürt. „Ich bin mir bewusst, dass ich Glück habe, und dass das nicht alltäglich ist.“

Faisal Habibi

_kVL3MtY.jpeg

Ganz andere Kunst macht der Indonesier Faisal Habibi. Er verwendet Holzplatten, Plexiglas oder Metallrohre aus dem Baumarkt und schafft damit unverwechselbare Bildobjekte. Als Kristian Jarmuschek, sein Berliner Galerist, ihn auf einer Indonesienreise in seinem Atelier besucht hat, war er gleich fasziniert von Habibis Übersetzung von Malerei: „Ich hatte diesen Wow-Gedanken. Man steht vor seinen Arbeiten und denkt, hier könnte man einen Knopf drücken, dort einen Hebel ziehen. Das macht sie sinnlich und emotional, obwohl sie abstrakt sind.“ Der Künstler arbeitet mit Flächen, Strukturen, Kanten und Überlagerungen. Farben wie Pfirsich, Beige und gebrochenes Weiß benutzt er als Stellvertreter für Hautfarben, „einige von so vielen. Die anderen Farben haben keinen tieferen Sinn, ich nutzte sie, weil sie mir Freude machen“, erzählt Faisal Habibi.

Er lebt und arbeitet in Bandung, Indonesien, dort wird er von einer großen Werkstatt unterstützt. 2014 war er zum ersten Mal in Europa und nahm in Berlin am Zentrum für Kunst und Urbanistik an einer Künstlerresidenz teil. Das habe seine Sicht auf die Welt und auf Dinge in eine andere Dimension gehoben, verrät er ntv.de. Zu Deutschland hat der 36-Jährige inzwischen eine besondere Beziehung, schließlich ist er seit 2019 mit einer Deutschen verheiratet.

Im vergangenen Jahr hatte er seine erste Ausstellung in Jarmuscheks Galerie. „Das war nicht ohne Hürden, durch Corona hatten wir die erste Verzögerung. Dann stand im Suezkanal der Tanker quer und wir mussten auf Luftfracht umsatteln“, erzählt der Galerist. „Die dreidimensionale Malerei von Faisal Habibi kam sehr gut an. Gleich zwei Arbeiten wurden für die Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland angekauft. Derzeit sind die in den Kunstsammlungen in Chemnitz ausgestellt als Teil der Ausstellung ‚Present Perfect'“, freut er sich über den Erfolg seines Künstlers.

Ivana de Vivanco

Dass Erfolg nicht selbstverständlich ist, weiß auch Ivana de Vivanco: „Nach zehn Jahren in Deutschland ist es für mich als südamerikanische Frau eine enorme Ehre, auf der Art Cologne dabei zu sein und gefördert zu werden“, stellt sie fest. Die peruanisch-chilenische Künstlerin bespielt für die Galerien Beckers aus Frankfurt und Kornfeld aus Berlin eine von 23 Förderkojen der Messe in der Sparte „New Positions“. Ivana de Vivanco transformiert ihre Bilder teilweise zu Skulpturen. So baumeln aus einem Porträt plötzlich zwei Ketten mit bronzenen Füßen. Sie liebt es, Kunst aus dem Rahmen fallen zu lassen. Ihre expressiven Werke strahlen eine enorme Spannung aus. Sie sind gewalttätig und haben zugleich immer etwas Zärtliches und Tröstendes: „Ich gebe mir große Mühe, diesen Doppelcharakter einzufangen, und balanciere den bewusst nicht aus.“

Sie unterrichtet Malerei an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig, lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Farben verstärken das Wechselbad der Gefühle. „Durch das Bunte, Fröhliche wird das Publikum angelockt und dann mit einer krassen Aussage konfrontiert“, erklärt die 33-Jährige ntv.de. So auch in Köln. Die „White Cube Situation“ möchte sie brechen: Der Boden wird orange leuchten, und die Säule in der Mitte des Raums wird zu einer Art Totempfahl umgewandelt. Alles dreht sich um das „Midas-Syndrom“. Sie will einen Perspektivwechsel herstellen, „alles, was nicht zum europäischen Kanon passt, wird normalerweise als exotisch oder primitiv bezeichnet“, sagt sie. Und knüpft mit ihrer Kunst an gegenwärtige oppressive Gesellschaftsstrukturen an.

Dabei erforscht sie immer auch koloniale Themen. „In Europa spricht man über Klimaziele und E-Autos. Gleichzeitig wird in Chile die Wüste zerstört, um die benötigten Batterien zu produzieren. Die europäische Welt wäscht sich rein und in Lateinamerika stehen bei Protesten die Frauen in der ersten Reihe. Sie haben viel zu verlieren, denn ihre Umwelt wird zerstört.“ Für de Vivanco ist der Fokus falsch gesetzt: „Wir zerstören die Natur, um Wohlstand und ein bequemes Leben zu haben. Dadurch vernichten wir andere und uns selbst.“ Ganz so wie der Sagenkönig Midas, der feststellen muss, dass man Gold nicht essen kann.

Art Cologne, 16. bis 20. November, Messeplatz 1, Köln, Halle 11, Eingang Süd. Tickets gibt es nur online

Ambra Durante, Galerie Friese, Halle 11.2 – Stand B 314

Faisal Habibi, Jarmuschek +, Halle 11.1 – Stand C 319

Ivana de Vivanco, Beckers/Kornfeld, Halle11.1 – Stand C 311

Present Perfect, bis zum 12. Februar in den Kunstsammlungen Chemnitz, Am Theaterplatz 1, 09111 Chemnitz

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel.
Hinterlasse eine Antwort

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Ihr Erlebnis zu verbessern. Wir gehen davon aus, dass Sie damit einverstanden sind, aber Sie können sich abmelden, wenn Sie dies wünschen. Annehmen Weiterlesen

Datenschutz- und Cookie-Richtlinie